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Wir spenden Wärme

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Jeder Obdachlose braucht einen Schlafplatz.
Unsere Reportage wird fortlaufend aktualisiert!

Obdachlose gehören mittlerweile zum Stadtbild hier in Berlin: Die Zelte auf der Oberbaumbrücke oder in vielen Parks und Grünflächen, die Schlafsäcke nachts an der Linie U5 im U-Bahnhof Strausberger Platz, die Lager in Bankenvorräumen und Fußgängertunneln – wir sehen sie täglich, die Ärmsten unter uns. Und doch werden sie auch nicht gesehen – oftmals bleiben sie mit all ihrem Elend einfach sich selbst überlassen. Und es werden immer mehr, die sich nicht mehr selbst helfen können: Berlin ist zur Hauptstadt der Obdachlosen geworden. Um die 20.000 Menschen in unserer Stadt haben keine Wohnung, rund 3000 nicht mal einen festen Platz zum Schlafen. Dabei sind die Zahlen nicht gewiss – nach anderen Schätzungen haben bis zu 6000 Menschen in unserer Stadt keine reguläre Schlafmöglichkeit. Das ist bei den Frostgraden jetzt im Winter umso schlimmer. Gut 900 Notübernachtungsplätze gibt es für all die Bedürftigen, 100 davon sind erst diese Woche geschaffen worden. Das ist aber immer noch viel zu wenig für die vielen Bedürftigen.

Unser Berlin-Reporter Christian Fuchs hat sich frühmorgens selbst einmal unter die Obdachlosen an der Essensausgabe am Bahnhof Zoo gemischt – und wurde hart konfrontiert mit den Auswirkungen des Lebens auf der Straße:

Berlin-Reporter Christian Fuchs - Obdachlose

Zur Erklärung: Als Schleppe wird eine unter Obdachlosen weit verbreitete bakterielle Hauterkrankung bezeichnet; es bilden sich Geschwüre und Flecken auf der Haut, die durch die Kälte und Mangelernährung auch nicht abheilen. Hier mit Joe bekommen die schnöden Zahlen ein Gesicht und eine Stimme.

Mindestens 3000 Menschen hier in Berlin, denen es wie Joe geht – das finden wir beschämend und unserer Stadt auch nicht würdig. Deshalb haben wir beschlossen, etwas zu tun!

Unser Minimalziel: Alle, die wollen, sollen die Möglichkeit haben, so schnell wie möglich hier in Berlin irgendwo sicher, warm und trocken übernachten zu können. Dazu arbeiten wir an einem Runden Tisch mit allen, die sich sowieso schon in der Obdachlosenhilfe engagieren, sowie denen, die dafür verantwortlich sind.

Stadtmission, Caritas, und Paritätischer Wohlfahrtsverband haben sofort gesagt, na klar, das sind wir dabei – da wird schon an Konzepten gearbeitet, wie dich Obdachlosen-Situation zu verbessern wäre. Die Deutsche Bahn Stiftung stimmt sich gerade intern ab, ob sich nicht noch ein freies Grundstück finden lässt, auf das zum Beispiel eine Wärmehalle zumindest während der Wintermonate gestellt werden könnte. Nur von Seiten der Politik – sowohl von der zuständigen Sozialsenatorin Elke Breitenbach als auch vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller - haben wir leider noch keine Rückmeldung erhalten. Aber wir bleiben dran!

Während unserer Recherchen sind wir immer wieder auf Lösungsansätze von Menschen getroffen, wie zusätzliche Schlafplätze geschaffen werden können: Wie zum Beispiel die Erfindung von Alexander Müller-Dorn aus Charlottenburg: Er hat etwas entwickelt, das uns helfen könnte – er hat Schlafkabinen gebaut. Die hat sich unser Berlin-Reporter Christian Fuchs in Nauen angesehen.

Berlin-Reporter Christian Fuchs - Schlafkabinen

Schlafkabine940px

07.02.2016
Eine Woche ist vergangen, seit wir uns vorgenommen haben, die Situation der Obdachlosen hier bei uns in Berlin zu verbessern: Wenigstens ein Schlafplatz muss jeder bekommen, der nachts nicht weiß wohin, finden wir. Deshalb sind wir dabei, einen Runden Tisch zu organisieren - mit Beteiligten aus Hilfsorganisationen und Politik. Inzwischen hat sich die zuständige Sozialsenatorin Elke Breitenbach bereit erklärt, mit uns darüber zu sprechen; sie wird noch diese Woche zu uns ins Studio kommen.

Derweil beschäftigen wir uns mit all den Menschen und Organisationen, die sich jeden Tag um die Obdachlosen unserer Stadt kümmern. Eine davon ist schon seit über 20 Jahren der “Treffpunkt Strohhalm” in der Wilhelminenhofstraße in Oberschöneweide. 50 Übernachtungsplätze für Obdachlosen gibt‘s da, außerdem eine Kleiderkammer und eine Küche. Die gute Seele des Treffpunkts ist seit Jahren Günter: Jeder im Kiez kennt ihn, denn er kocht täglich ehrenamtlich für die Menschen, die in die Einrichtung kommen.

Unser Berlin-Reporter Christian Fuchs hat ihn in der Küche bei der Arbeit besucht

Berlin-Reporter Christian Fuchs im "Treffpunkt Strohhalm"

Chris und Gunter

Bild: Berlin-Reporter Christian Fuchs mit Koch Günter und Chefin Maria im „Treffpunkt Strohhalm“

Natürlich brauchen auch die kleinen Einrichtungen Hilfe von uns Berlinern. Schlafsäcke, warme Kleidung, Essen, Waschmittel - alles wird gebraucht. Wenn Sie helfen wollen: Den Treffpunkt Strohhalm finden sie in der Wilhelminenhofstraße in Oberschöneweide gegenüber der Hochschule.

KÄLTENOTRUF

Was kann ich tun, wenn ich im Winter eine wohnungslose Person in Not bzw. draußen schlafen sehe? Wenn Sie vermuten, dass die Person unter der Kälte und Witterung leidet, sprechen Sie sie höflich an und fragen, ob sie was braucht oder ob sie Hilfe annehmen will. Tagsüber sind in Berlin auch sog. „streetworker“ an den bekannten Brennpunkten unterwegs. Dennoch kann es sein, dass hilfebedürftige Menschen akut unversorgt und gefährdet sind. Vom 1.11. bis 31.3. sind jeden Abend bis in die Nachtstunden ein Kälte- und ein Wärmebus in Berlin unterwegs, um Menschen ohne Unterkunft aufzusuchen, zu versorgen und kostenfrei in Notunterkünfte zu bringen. Wenn die betroffene Person Hilfe annehmen möchte, rufen Sie ab 18 Uhr den Wärmebus des Berliner Deutschen Roten Kreuzes an und ab 21 Uhr den Kältebus der Berliner Stadtmission.

WÄRMEBUS:
1. November 2016 – 31. März 2017
täglich unterwegs von 18 bis 24 Uhr
0170 910 00 42

KÄLTEBUS:
1. November 2016 – 31. März 2017
täglich unterwegs von 21 bis 3 Uhr
0178 523 58 38

IM NOTFALL ODER BEI AKUTER GEFÄHRDUNG:
110 ODER 112

HIER finden Sie eine Übersicht aller in Berlin verfügbaren Notübernachtungsstellen und weitere Hilfsangebote.

Noch nicht verzeichnet ist die neue Notunterkunft im ehemaligen Tempelhofer Flughafen, Hangar 4 – dort stehen 100 Schlafplätze zur Verfügung; außerdem gibt es etwas zu Essen und die Möglichkeit zu Duschen.