Morbus Bechterew: Sieben Jahre bis zur Diagnose

Rund 350.000 Menschen leiden in Deutschland an Morbus Bechterew. Die entzündlich-rheumatische Erkrankung beginnt in vielen Fällen schleichend mit Rückenschmerzen, wegen der die Betroffenen verschiedene Ärzte aufsuchen. Vom ersten Symptom bis zur endgültigen Diagnose vergehen meist Jahre – so auch bei der 43-jährigen Stephanie Bohra aus Berlin.

Wenn das Immunsystem den eigenen Körper angreift

Es dauerte ganze sieben Jahre, bis Stephanie Bohra die Diagnose Morbus Bechterew erhielt. Sie war 18, als bei ihr zum ersten Mal die typischen Rückenschmerzen auftraten. „Ich dachte damals, ich hätte mich nur verrenkt oder verhoben“, erinnert sie sich. Weil die Beschwerden anhielten, ging sie zum Orthopäden. Der Facharzt röntgte ihren Rücken, renkte sie ein und spritze ihr Schmerzmittel. Als die Schmerzen trotzdem blieben, wechselte Stephanie Bohra den Orthopäden. Sie erhielt erneut Medikamente sowie Krankengymnastik und Fangopackungen verschrieben – ohne Erfolg.

Morbus Bechterew beginnt häufig mit Schmerzen im unteren Rücken und Gesäß und einer sogenannten Morgensteifigkeit: Die Betroffene sind nach dem Aufwachen in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. „Die Rückenschmerzen treten typischerweise nachts im Bett auf, und verschwinden, wenn der Patient sich bewegt,“ sagt Rheumatologin Dr. Kirsten Karberg aus Berlin. An der Rheumaform erkranken vor allem junge Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren. Die Ursache von Morbus Bechterew ist noch nicht vollständig erforscht. Fest steht jedoch, dass eine Überreaktion des Immunsystems zu Entzündungen im Körper führt. Die Entzündungen hinterlassen bleibende Schäden und es kommt in der Folge zu einer Versteifung der Wirbelsäule.

Schmerzfrei dank gezielter Therapie

Bei Stephanie Bohra brachte eine Blutuntersuchung Klarheit: In ihrem Blut wurde der Marker HLA-B27 gefunden, den etwa 95 Prozent der Betroffenen aufweisen. Sie erinnert sich: „Viele sind geschockt, wenn sie eine solche Nachricht bekommen. Ich war damals aber hauptsächlich erleichtert, dass ich endlich eine Diagnose hatte“. Anfangs erhielt Frau Stephanie Antirheumatika, um die Schmerzen zu reduzieren und die Entzündungen zu hemmen. Dies sind zum Beispiel Mittel mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Diclofenac.

Begleitend ging sie regelmäßig zur Physiotherapie und nahm an einem Bewegungstraining teil. Mithilfe dieser Therapie hatte sie lange keine Beschwerden, bis vor zehn Jahren die Medikamente nicht mehr ausreichend halfen. Daraufhin verschrieb ihr die Rheumatologin Dr. Karberg Biologika. Bei Stephanie Bohra wirkten diese sehr gut, und sie wurde erneut schmerzfrei. Im Alltag ist sie in ihrer Beweglichkeit kaum eingeschränkt, fährt ohne Probleme Fahrrad und arbeitet Vollzeit als Historikerin. Als Mitglied der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e. V. hilft sie Betroffenen, indem sie ihre Erfahrungen mit der Erkrankung teilt.

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Bild: Mario Ziegler

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der externen Redakteurin Nicole Schreiner.