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Finanzverträge mit über 65 Jahren: Oft warten enttäuschende

Auch wenn Berlin dank der vielen Zuzüge eine verhältnismäßig junge Stadt ist, leben hier auch über 600.000 Menschen, die das 65.

Lebensjahr bereits überschritten haben. Da das Leben ja bekanntlich erst mit 66 richtig anfängt, gibt es für diese Bevölkerungsgruppe eigentlich keinen Grund, das Leben nicht in vollen Zügen auszukosten. Leider existieren jedoch Einschränkungen, die mit der Gesundheit der Bertoffenen rein gar nichts zu tun. Ein gutes Beispiel sind Verträge mit Finanzdienstleistern und Versicherungen, die ab einem gewissen Alter oft einen entsprechenden Vertrag verweigern. Doch warum ist das so und lässt sich irgendwie Abhilfe schaffen?

Abbildung 1: Wenn Senioren es schwierig haben, Kredit aufzunehmen: Warum ist das eigentlich so und was lässt sich dagegen tun?

Altersdiskriminierung oder sachlicher Zwang: Banken vergeben ungern Kredite an Senioren

Wer einen Kredit aufnehmen möchte und das Alter von 65 Jahren überschritten hat, schaut immer häufiger in die Röhre. Viele Banken lehnen die Kreditanfrage ab oder begrenzen den möglichen Kreditbetrag sehr deutlich. Doch woran liegt das? Es gibt verschiedene Gründe:

1 Mit steigendem Alter ist die Rückzahlung zunehmend unsicher

Banken prüfen Kreditverträge mit ihren internen Scoring-Systemen, die ihnen einen Überblick über die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kredits verschaffen sollen. Weil das Risiko des Ablebens mit höherem Alter stetig steigt, lehnen die Banken gerade Darlehensanfragen mit höheren Beträgen und längeren Laufzeiten ab. Zwar geben nur die wenigsten Banken eine offizielle Altersgrenze für die Kreditaufnahme an, aber dieses Verfahren ist leider ein trauriger Fakt.

2 Die Einnahmen sinken im Rentenalter

Wer vom Erwerbsleben ins Rentenalter übertritt, muss im Normalfall Einkommenseinbußen hinnehmen. Die Altersbezüge liegen nahezu immer unter den Arbeitseinkünften. Zwar können Rentner dies nicht selten mit Vermögenswerten und entsprechenden Sicherheiten ausgleichen, jedoch ist dies gerade bei Immobiliendarlehen nicht mehr ausreichend. Mit der Umsetzung der neuen EU-Kreditrichtlinie im März 2016 wurden die Möglichkeiten der Kreditvergabe im Immobilienbereich für Banken erheblich eingeschränkt. Der entscheidende Faktor ist nun, ob ein solches Darlehen aus dem eigenen Einkommen komplett entrichtet werden kann. Sicherheiten können dies nicht mehr im gleichen Ausmaß ausgleichen wie vorher.

Wer zudem keine hohen Rücklagen aufgebaut hat und nur eine verhältnismäßig geringe Rente bezieht, hat es mit der Kreditaufnahme aufgrund der schlechteren Bonität sowieso schwer.

Lässt sich diesbezüglich Abhilfe schaffen?

Was auf den ersten Blick eher hoffnungslos erscheint, muss nicht bedeuten, dass Senioren wirklich keine Kredite erhalten. Der wichtigste Rat in diesem Zusammenhang muss lauten: Dranbleiben und den Markt checken.

Gerade online existieren heute sehr viele Kreditanbieter, die jeweils eigene Bewertungskriterien für eine Kreditvergabe haben. Je nach persönlicher Bonität kann es dabei also auch für Rentner möglich sein, die gewünschte Finanzierung zu günstigen Konditionen zu erhalten. Ferner können hier auch weitere Tricks helfen, die die Kreditaufnahme erleichtern:

-Zweiter Kreditnehmer: Ein zweiter Kreditnehmer sorgt dafür, dass sich die Kreditlast auf zwei Personen verteilt. Für die Bank ergibt sich daraus die komfortable Situation, dass sie die Kreditsumme bei jedem Schuldner eintreiben könnte. Dieser Zuwachs an Sicherheit wird häufig mit günstigeren Zinsen honoriert und erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit der Kreditvergabe. Als zweiter Kreditnehmer kommt vor allem der Ehepartner infrage. Darüber hinaus kann es jedoch auch interessant sein, zusammen mit den erwachsenen Kindern ein Darlehen aufzunehmen.

-Zusätzliche Sicherheiten: Zumindest bei Ratenkrediten funktioniert auch die Nutzung von zusätzlichen Sicherheiten. So könnten die erwachsenen Kinder für die Rückzahlung des Darlehens bürgen. Bei größeren Kreditsummen könnte auch eine abgezahlte Immobilie als Sicherheit helfen.

Versicherungen gehen offener mit Altersgrenzen um

In der Versicherungsbranche sind Altersgrenzen deutlich offener kommuniziert. So lassen sich bestimmte Policen ab einem gewissen Alter gar nicht mehr abschließen. Andere laufen ab einem bestimmten Alter automatisch aus. Hier ein Kurzüberblick über die Regelungen zu einzelnen Versicherungssparten:

1 Private Krankenversicherung

Die private Krankenversicherung nimmt im Normalfall Versicherte bis zu ihrem 55.Lebensjahr auf. Darüber hinaus kann es je nach Versicherer erste Probleme geben, wobei einige Anbieter auch noch Personen im Alter von 70 Jahren aufnehmen. Oft hat diese Art von Versicherung jedoch eine eigene Aufnahmehürde: die hohen Beiträge. Im hohen Alter werden entsprechende Risikoaufschläge erhoben. Liegen zudem Vorerkrankungen vor, wird die Angelegenheit noch teurer. Hier ist nur zu hoffen, dass die Altersrücklage aus der alten Versicherung problemlos überführt werden kann.

2 Kfz-Haftpflicht

In der Kfz-Haftpflicht rechnen Versicherer oft ab einem Alter von 68 Jahren mit Aufschlägen auf den Versicherungsbeitrag, weil dann das potenzielle Risiko zusätzlicher Schäden zunimmt. Aus diesem Grund ist damit zu rechnen, dass Personen über 75 schon mit deutlichen Zuschlägen bei ihren Versicherungsprämien kalkulieren müssen.

3 Unfallversicherung

Unfallversicherungen haben häufig ein Ablaufdatum, welches entweder mit dem Renteneintritt oder im Alter von 75 bis 80 Jahren zum Tragen kommt. Wer in diesem Alter eine entsprechende Police abschließen möchte, hat es oft schwer, passende Angebote zu finden.

Anhand dieser Beispiele wird klar, dass das Alter auch bei der Suche nach passenden Versicherungen selten eine wirkliche Hilfe darstellt. Wer jedoch den Markt sondiert und genau hinschaut, findet häufig noch Möglichkeiten, passende Policen abzuschließen. Bei einigen Anbieter lassen sich zudem auch die Zusatzkosten zumindest im Rahmen halten.

Abbildung 2: Banken und Versicherungen rechnen genau, wenn es um die Kostenkalkulation geht. Im Alter steigt das Risiko für Versicherungsfälle oft deutlich an.

Die Finanzwelt erscheint beim Alter eher kalt

In der Finanzbranche geht es darum, Kunden Finanzprodukte zur Verfügung zu stellen und unter dem Strich damit Geld zu verdienen. Aus diesem Grund erscheint es oft kalt, wenn bestimmte Finanzverträge im Alter nur unter erschwerten Bedingungen abzuschließen sind. Hierbei stehen sich zwei Interessen diametral gegenüber: Auf der einen Seite die Finanzindustrie mit ihren Scoring- und Risikosystemen und auf der anderen Seite die potenziellen Kunden mit ihren Kredit- und Absicherungsbedürfnissen. In vielen Fällen lassen sich diese Konflikte nur schwer lösen. Glücklicherweise ist die Branche in ihren Entscheidungen jedoch nicht ganz einheitlich, so dass sich immer wieder Anbieter finden lassen, die auch ältere potenzielle Kunden gerne begrüßen. Wer lange genug sucht, kann in vielen Fällen passende Lösungen finden.
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Abbildung 2: @ stevepb (CC0-Lizenz) / pixabay.com