Trendwende oder Eintagsfliege?

Das neuentdeckte Gesundheitsbewusstsein

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Gesundheit ist nicht alles im Leben – aber ohne Gesundheit ist alles nichts. So lautet ein berühmtes Sprichwort. Tatsächlich wirkt sich das physische Wohlbefinden stark auf die Psyche aus und umgekehrt. Wie gesund ein Mensch ist, kann er jedoch nur bedingt beeinflussen. Einige Erkrankungen oder natürlich auch Unfälle lassen sich nicht durch eine gesunde Lebensweise verhindern. Dennoch spielt die Lebensweise eine tragende Rolle, wenn es um die langfristige Gesundheit geht, aber auch das Lebensgefühl im Allgemeinen: So leiden beispielsweise übergewichtige Menschen oft an Minderwertigkeitskomplexen oder wer sich zu wenig bewegt schläft in der Nacht schlecht. Diese sind nur einige Beispiele von vielen, die verdeutlichen, dass und inwiefern sich das Gesundheitsbewusstsein eines Menschen auf seine Lebensqualität auswirkt.

LEBENSSTIL UND LEBENSERWARTUNG HÄNGEN ZUSAMMEN

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts steigt die durchschnittliche Lebenserwartung stetig. Das hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen. Einerseits ist zu jener Zeit die Säuglingssterblichkeit extrem zurückgegangen, welche die Statistiken bis dato nach unten verzerrt hat. Andererseits hat die Medizin große Fortschritte gemacht. Hatten Männer also im Jahr 1960 noch eine Lebenserwartung von durchschnittlich 76 Jahren, lag diese zur Jahrtausendwende bereits über 80. Frauen werden sogar bis zu sieben Jahre älter, weil sie in der Regel besser auf ihre Gesundheit achten, weniger riskant im Straßenverkehr unterwegs sind, geringere Mengen an Alkohol trinken und, und, und…

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Die steigende Lebenserwartung beider Geschlechter hat also durchaus auch etwas mit der Lebensweise und dem allgemeinen Gesundheitsbewusstsein zu tun. Wer beispielsweise raucht, dessen Lebenserwartung liegt circa 13 bis 14 Jahre unter dem Durchschnitt. Wird in sehr jungen Jahren mit dem Konsum von Zigaretten begonnen, sind es sogar mehr als 20 Jahre. Bei einem Verzehr von mehr als 350 Gramm Alkohol pro Woche verkürzt sich das Leben durchschnittlich um vier bis fünf Jahre. Und Adipositas reduziert die Lebenserwartung um sechs bis sieben Jahre. Wer hingegen nicht raucht, wenig Alkohol trinkt, normalgewichtig ist, sich gesund ernährt und sich durch Sport fit hält, hat angeblich die höchste Lebenserwartung.

LEBENSERWARTUNG STEIGT – ABER DIE GESUNDHEIT AUCH?

Dieser Zusammenhang dürfte vielen Menschen bewusst sein und zwar nicht erst seit kurzer Zeit. Schon seit vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten reift das Wissen, wie schädlich gewisse Gewohnheiten wie das Rauchen oder Trinken von Alkohol sind, wie eine gesunde Ernährung aussieht und weshalb Bewegung so wichtig ist. Dennoch ignorieren viele Menschen dieses Bewusstsein, schließlich schmeckt Fast Food besser und Sport ist zu anstrengend. Sie verlassen sich stattdessen auf die Medizin und den Grundsatz: Heute geht es mir noch gut und was morgen ist, darum mache ich mir morgen Gedanken.

Dennoch lässt sich in den vergangenen Jahren ebenfalls beobachten, dass nicht nur die Lebenserwartung steigt, sondern auch die kranke Lebenszeit vor dem Tod abnimmt. Die Menschen in Deutschland leben also nicht nur länger, sondern tatsächlich auch gesünder. Es scheint eine Entwicklung beim Gesundheitsbewusstsein zu geben, welche von Generation zu Generation steigt. Aber stimmt das?

EINE GESUNDE LEBENSWEISE WIRD ZUM NEUEN TREND

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Tatsächlich liegt Gesundheit aktuell voll im Trend, vor allem bei den jungen Generationen Y und Z. Dabei handelt es sich einerseits um einen regelrechten Fitnessboom, sprich immer mehr Menschen in Deutschland melden sich in Fitnessstudios an, wobei sie als ihre Beweggründe vor allem Fitness, Ausdauer und eben Gesundheit nennen. Andererseits haben die sogenannten „Influencer“ über Instagram, YouTube & Co dazu beigetragen, dass immer mehr junge Menschen wieder das gesunde Kochen oder Sportarten wie das Yoga für sich entdecken. Auf gut Deutsch: Gesund leben ist „in“. Das Gesundheitsbewusstsein breitet sich aktuell wie eine Modeströmung in der Gesellschaft aus. Was allerdings bleibt, ist die Frage, ob diese Modeströmung eines Tages wieder „out“ sein oder sich stattdessen langfristig halten wird?

GRÜNDE FÜR DAS STEIGENDE GESUNDHEITSBEWUSSTSEIN

Dass die „Influencer“ das Gesundheitsbewusstsein vorleben, ist aber längst nicht der einzige Grund für den aktuellen Megatrend. Stattdessen hat die Digitalisierung einen großen Teil dazu beigetragen. Denn Wissen ist bekanntlich Macht und dank Google & Co, kann sich mittlerweile jeder über Gesundheitsthemen informieren. Der Arzt ist nicht mehr die einzige Informationsquelle und die Menschen können selbst aktiv werden. Mehr als 46 Prozent der Deutschen nutzen eigener Aussage zufolge „Doktor Google“, um sich über Gesundheitsthemen zu informieren. Das zunehmende Wissen, wie eine gesunde Lebensweise aussehen kann und sich auf das eigene Wohlbefinden sowie die Lebenserwartung auswirkt, spielt beim neuen Gesundheitsbewusstsein also eine tragende Rolle.

Gleichzeitig sind Vorbilder ausschlaggebend, sprich wie gesund ein Mensch lebt oder nicht, hängt zu großen Teilen von seinen „Influencern“ ab. Dabei kann es sich um Instagrammer, YouTuber und andere Persönlichkeiten handeln. Einen noch größeren Einfluss hat allerdings das soziale Umfeld. So leben Menschen aus wohlhabendem Elternhaus prinzipiell gesünder als Personen aus schwächeren Einkommensschichten. Kinder von sozial schwachen Familien leiden deutlich öfter unter Übergewicht. Viele dieser Familien können sich gesundes Essen im Sinne von frischem Gemüse, Fisch, Vollkornprodukten, usw. einfach nicht leisten. Viele andere Familien legen schlichtweg keinen Wert auf die gesunde Ernährung – was sich eins zu eins auf die Kinder überträgt. Woher sollen sie denn auch wissen, wie es „richtig“ geht?!

IST GESUNDHEIT NUR ETWAS FÜR DIE REICHEN?

So eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, das vegane Bio-Essen oder die Naturkosmetik kosten nicht gerade wenig Geld. Aus diesem Grund scheint sich der Trend zum Gesundheitsbewusstsein aktuell vor allem in den sozial starken Schichten durchzusetzen. Es handelt sich somit weniger um einen Massentrend als um ein langsames Umdenken, welches vor allem bei den wohlhabenden Gesellschaftsschichten stattfindet. Das bedeutet aber nicht, dass das Gesundheitsbewusstsein auf lange Sicht nicht auch bei den sozial schwächeren Familien reifen wird. Vielleicht braucht es hier einfach noch etwas mehr Zeit sowie Kreativität, um auch mit weniger Geld gesund leben zu können.

Zumindest in der Theorie ist es nämlich möglich, mit geringeren finanziellen Mitteln trotzdem gesund zu leben. Sport muss schließlich nicht im Fitnessstudio getrieben werden, sondern auch die Joggingrunde durch den Park oder das Kicken mit Freunden auf dem Fußballplatz haben einen positiven Effekt auf die Gesundheit. Fast Food ist auf lange Sicht sogar teurer als gesundes Essen, welches länger satt macht und somit nur in geringerem Mengen verzehrt werden muss. Dass vor allem sozial schwächere Gesellschaftsschichten nach wie vor ungesund leben, ist also nur teilweise eine Frage des fehlenden Geldes. Stattdessen fehlt es hier (noch) am Gesundheitsbewusstsein.

ELTERN MÜSSEN ALS GESUNDE VORBILDER FUNGIEREN

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Sollte dieses Gesundheitsbewusstsein weiter reifen und durch „Influencer“ oder über andere Wege auch die sozial schwächeren Familien erreichen, könnte sich der Trend tatsächlich in ein flächendeckendes Umdenken verwandeln. Den größten Einfluss darauf, wie gesund ein Kind lebt oder nicht, haben nämlich dessen Eltern sowie sein Wohnort. Treiben die Eltern selbst Sport und kochen gesund, macht das mit höherer Wahrscheinlichkeit auch ihr Kind jetzt sowie im Erwachsenenalter. Es gibt die gesunde Lebensweise also wiederum an seine eigenen Kinder weiter. Laden dann in der Nähe auch noch Fitnessstudios, Sportplätze, Schwimmhallen & Co zur Bewegung ein, wächst das Gesundheitsbewusstsein ebenfalls. Was es also noch für ein gesundes Leben braucht, ist die Gelegenheit.

AUSBLICK IN DIE ZUKUNFT DES GESUNDHEITSBEWUSSTSEINS

Ob es sich bei dem steigenden Gesundheitsbewusstsein der jungen Generationen um eine Eintagsfliege oder eine Trendwende handeln wird, muss schlussendlich abgewartet werden. Wenn diese den gesunden Lebensstil allerdings an ihre Kinder weitergeben, stehen die Chancen gut, dass die Gesellschaft zukünftig insgesamt gesünder leben wird. Unbestritten ist derweil, dass die Lebenserwartung weiter steigen wird – zumindest in der Theorie. Aufgrund des medizinischen Fortschritts, der verbesserten Hygiene und des gestiegenen Gesundheitsbewusstseins könnten Menschen schon bald deutlich über 100 Jahre alt werden. Unklar ist allerdings, ob es eine natürliche Grenze für die Lebenserwartung gibt, ob also beispielsweise der Körper nicht älter als 120 Jahre werden kann oder so ähnlich.

Zudem gibt es leider auch immer mehr Menschen mit Übergewicht, was – wie bereits erwähnt – die Lebenserwartung deutlich verkürzt. Die Schere klafft also immer weiter auseinander: Während einige Menschen bereits sehr alt werden, sterben viele andere wieder früher. Ob sich diese Trends gegenseitig aufheben werden oder doch ein flächendeckendes Umdenken stattfindet, ist zum Stand heute also noch unklar.

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