TENNIS-TURNIER AUF RASEN

BERLIN BEKOMMT EIGENES „MINI-WIMBLEDON“

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Eigentlich ist Berlin eine echte Sportmetropole. Jedes Jahr wird hier das DFB-Pokalfinale ausgetragen, einst wurden hier Olympische Sommerspiele abgehalten und seit 2015 findet der E-Prix der Formel E unter anderem in Berlin statt. Wenn es um Tennis geht, hat die Hauptstadt der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren aber keine nennenswerte Rolle gespielt. Die wichtigsten Turniere der Welt werden im Rahmen des Grand Slam außerhalb von Deutschland ausgetragen – in London, Paris, New York und Melbourne. Aktuell macht mit Wimbledon das größte und prestigeträchtigste Turnier des Tennissports Schlagzeilen. Nun möchte Berlin nachziehen und holt ab 2020 ein eigenes „Mini-Wimbledon“ in die Stadt, um den eigenen Stand als Sportmetropole auch im Tennis zu stärken.

Wimbledon hat mal wieder vollends überzeugt

Dass diese Information gerade jetzt veröffentlicht wurde, ist kein Zufall. Denn in Wimbledon ging es auch in diesem Jahr heftig zur Sache. Die Buchmacher spekulierten bereits vorab über einen Sieg von Roger Federer. Es wäre also nicht verwerflich gewesen eben dieser Prognose zu folgen. Ratsam ist es jedoch sich vorab in hohem Umfang zu informieren und alle möglichen Optionen zu berücksichtigen.

Am Ende kam es dann nämlich doch ganz anders. Es war mal wieder Novak Djokovic, der sich den Sieg sicherte. In einem unterhaltsamen Finale besiegte der Joker seinen Gegenüber Roger Federer in einem 5 stündigen Krimi mit 7:6 (7:5), 1:6, 7:6 (7:4), 4:6, 13:12 (7:3). Ein packendes Match, dass ganz sicher in die Annalen des Tennisgeschchte eingeht. Bei den Frauen hingegen konnte die Rumänin Simona Halep ihre Kontrahentin Serena Williams in zwei Sätzen schlagen.Nach dem Triumph beschrieb sie das Match als „das beste“ ihrer gesamten Karriere.

Deutsche Tennis-Frauen sollen gefördert werden

Erfolgreichste deutsche Tennisspielerin ist derzeit Angelique Kerber, ebenfalls auf dem fünften Platz der Weltrangliste. Die nächste Deutsche findet sich mit Julia erst auf Platz 17 und anschließend auf Platz 65 mit Tatjana Maria. Auch bei den Frauen gibt es also dringenden Nachholbedarf, um an frühere Erfolge aus den Zeiten von Graf und Becker anknüpfen zu können – sei es in Wimbledon oder bei anderen großen Turnieren. Aus diesem Grund soll fortan jedes Jahr in Berlin ein Vorbereitungs-Turnier auf Wimbledon stattfinden. Das „Mini-Wimbledon“ soll erstmalig im Juni 2020 auf dem Rasen des LTTC Rot-Weiß im Grunewald ausgetragen werden. Die offizielle Bestätigung steht allerdings noch aus. Wenn, ließen die Veranstalter verlauten, dann solle es ein echter Kracher für mindestens die nächsten 20 bis 30 Jahre werden. Ein solches Turnier würde eine Art Revival der „German Open“ bedeuten, welche von 1979 bis 2008 in der Region stattgefunden haben. Die allerdings wurden auf Sand ausgetragen.

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„Mini-Wimbledon“ als erstes Berliner Rasen-Turnier

Sollte es also tatsächlich ein „Mini-Wimbledon“ für Berlin geben, so müssen die Plätze erst einmal auf Rasen umgerüstet werden. Während die Herren jeweils in Halle und Stuttgart ihre Vorbereitungs-Turniere für Wimbledon bestreiten, fehlt es bislang noch an einer entsprechenden Möglichkeit für die deutschen Tennis-Frauen. Zudem wäre es die langersehnte Rückkehr des internationalen Tennissports nach Berlin. Was also steht den Plänen noch im Weg? Angeblich zögern die Rot-Weiß-Mitglieder noch, das Steffi-Graf-Stadion entsprechend umzurüsten. Als ehemalige Wimbledon-Siegerin sollte die Namensgeberin selbst damit aber kein Problem haben. Zudem ist der Ruf nach mehr Rasenplätzen in Deutschland groß. Denn diese wären notwendig, um sowohl die Frauen als auch die Herren im deutschen Spitzentennis ausreichend auf Wimbledon als das wohl wichtigste Tennis-Turnier der Welt vorzubereiten. Nur dann sind ähnliche Erfolge wie in der Vergangenheit auch für die Zukunft realistisch.

Wimbledon gilt als Königsdisziplin im Tennis

Bleibt die Frage: Warum eigentlich dieses ganze Theater um Wimbledon und ein Rasen-Turnier? Rasen gilt als die Oberfläche auf dem Tennisplatz, welche die höchsten Anforderungen an die Spieler stellt. Durch seine besonderen Eigenschaften, verändert sich der ganze Charakter des Spiels. Es ist schneller, aufregender und eben anspruchsvoller. Zudem hat der „heilige Rasen“ von Wimbledon eine lange Tradition. Wie bereits erwähnt, handelt es sich um das älteste der Grand Slam Turniere und es genießt daher einen ganz besonderen Ruf. Wer Wimbledon für sich entscheiden kann, gilt gemeinhin als der beste Tennisspieler der Welt – unabhängig vom Ausgang der anderen Wettbewerbe. Auch derzeit richten sich deshalb wieder alle Blicke in Richtung London, wo jedes Jahr Anfang Juli das Wimbledon-Turnier stattfindet. Es stellt das dritte Grand Slam Turnier des Jahres dar und findet 2019 in der 133. Auflage statt.

Wimbledon: Ein Rückblick in die Geschichte

Die Geschichte von Wimbledon beginnt also im Jahr 1877, damals noch unter dem Namen „Lawn Tennis Championships“. Zu jener Zeit war es ausschließlich für Männer zugelassen und entwickelte sich bis zum Jahr 1922 zum wichtigsten Turnier des Sports. Das liegt auch an dem neuen Stadion, welches in demselben Jahr in der Church Road eingeweiht wurde und Platz für insgesamt 15.000 Zuschauer bot. Mittlerweile gab es auch Wettbewerbe im Mixed und Damendoppel. Im Jahr 1937 erlangte Wimbledon schließlich erstmals die mediale Aufmerksamkeit. Seither wurde das Turnier regelmäßig im Fernsehen übertragen. Bis heute hat sich natürlich vieles verändert. Doch Tradition wird in London bekanntlich großgeschrieben und so ist Wimbledon auch berühmt für seinen einzigartigen Charakter. Denn hier gelten nach wie vor traditionelle Regelungen aus dem vorigen Jahrhundert wie der Auflage der hauptsächlich weißen Spielkleidung oder der spielfreie Sonntag – und die Zuschauer kommen gerne im traditionellen Look sowie mit Erdbeeren und Sahne als Snacks.

Sieg in Wimbledon als Traum aller Tennisprofis

Langweilig wird es rund um Wimbledon also nicht. Mittlerweile sind die Wettkämpfe nämlich bunt gestaltet mit Disziplinen im Herren sowie Damen Einzel sowie verschiedenen Konstellationen im Doppel. Ein Highlight jagt hier das nächste und auch die Nachwuchsturniere erhalten mittlerweile viel Aufmerksamkeit. Insgesamt 128 Sportler und Sportlerinnen stehen jedes Jahr einzeln auf dem Rasen. Hinzu kommen 64 Paarungen. Einmal in Wimbledon mitspielen – das dürfte der Traum beinahe aller Tennisspieler sein. Zudem winken natürlich hohe Siegprämien. Beinahe jedes Jahr gibt es neue Rekordpreisgelder. Im Jahr 2019 nimmt der Sieger mehr als 2,6 Millionen Euro mit nach Hause. Insgesamt belaufen sich die Preisgelder auf einen Wert von über 42 Millionen Euro. Doch das meiste Geld machen die besten Tennisspieler und Tennisspielerinnen der Welt längst nicht mehr mit ihren Siegen. Ihnen winken stattdessen Werbeverträge, Sponsorings, Kooperationen & Co. Noch wichtiger wiegt für die meisten aber der Ruhm, welcher mit dem Sieg in Wimbledon einhergeht.

Wimbledon schreibt 2019 erneut Geschichte

Wer Wimbledon in diesem Jahr für sich entscheiden wird, steht zwar noch nicht fest. Dafür aber, dass bei dem Turnier also erneut Geschichte geschrieben wurde. Das betrifft nicht nur das Preisgeld oder den (vielleicht) 100. Sieg für Roger Federer bei dem Turnier. Sondern auch bei den Regeln gab es im Jahr 2019 eine Neuerung: Erstmalig wurde im Doppel zwischen Kontinen/Peers und Ram/Salisbury ein Entscheidungs-Tiebreak gespielt. Es war der erste Tiebreak seiner Art bei dem ältesten Tennis-Turnier der Welt. Die Entscheidung für diese Regeländerung wurde 2018 getroffen, nachdem sich Anderson und Isner im Halbfinale ganze sechs Stunden und 36 Minuten auf dem Platz bekämpften, bis der fünfte Satz schließlich mit 26:24 zu einer Entscheidung führte. Auch diese Begegnung hat also Geschichte geschrieben – als zweitlängstes Tennis-Match von Wimbledon. Übertroffen wurde es bislang nur von den elf Stunden und fünf Minuten zwischen Isner und Mahut im Jahr 2010. Es ist also Bewegung in Wimbledon und immer wieder wird das Turnier auf die eine oder andere Art und Weise noch besser. Dies wäre gewiss auch der Fall, wenn die deutschen Frauen sich zukünftig in Berlin auf diesen ganz besonderen Wettkampf vorbereiten könnten. Zudem wäre das noch eine weitere Sache, die es eben nur in Berlin gibt. Es bleibt also spannend, ob und wann „Mini-Wimbledon“ tatsächlich in die Hauptstadt kommt!

Quellen
Bild 1: pixabay.com; davidkenny91
Bild 2: pixabay.com; Michel Labatut